Voraussetzungen: Was du brauchst, bevor du startest

Bevor du deine erste Kampagne erstellst, müssen einige Grundlagen stimmen. Wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, wirst du entweder keine Kampagne erstellen können oder dein Budget verbrennen, ohne Ergebnisse zu sehen.

Professionelles Seller-Konto

Amazon PPC steht nur Sellern mit einem professionellen Verkäufertarif zur Verfügung. Der individuelle Tarif (Einzelanbieter) hat keinen Zugang zum Werbeprogramm. Falls du noch im individuellen Tarif bist, kannst du in den Kontoeinstellungen unter "Kontoinformationen" auf den professionellen Tarif wechseln.

Aktives Listing mit Buy Box

Dein Produkt muss ein aktives Angebot auf Amazon haben, und du musst die Buy Box besitzen. Ohne Buy Box werden deine Anzeigen nicht ausgespielt, auch wenn die Kampagne aktiv ist. Bei Eigenmarken-Produkten (Private Label) besitzt du die Buy Box in der Regel automatisch. Bei Handelsware mit mehreren Anbietern ist das nicht immer der Fall.

Was ist die Buy Box?

Die Buy Box ist der "In den Einkaufswagen" Button auf der Produktdetailseite. Wenn mehrere Seller das gleiche Produkt anbieten, entscheidet Amazon anhand von Preis, Versandgeschwindigkeit und Verkäuferleistung, welcher Seller die Buy Box erhält. Nur der Buy-Box-Gewinner kann PPC-Anzeigen für das Produkt schalten.

Optimiertes Listing

Bevor du Geld in Werbung investierst, sollte dein Listing überzeugend sein. Denn PPC bringt Besucher auf deine Produktseite, aber die Conversion passiert auf dem Listing. Stelle sicher, dass folgende Elemente stehen:

  • Hauptbild: Professionelles Produktfoto auf weissem Hintergrund
  • Weitere Bilder: Mindestens 5 hochwertige Bilder, idealerweise mit Infografiken und Lifestyle-Aufnahmen
  • Titel: Relevante Keywords integriert, gut lesbar, unter 200 Zeichen
  • Bullet Points: Die fünf wichtigsten Produktvorteile klar formuliert
  • Beschreibung / A+ Content: Detaillierte Produktinformationen mit Bildern (falls Brand Registry vorhanden)
  • Bewertungen: Mindestens 10 bis 15 Reviews helfen der Conversion-Rate erheblich

Den richtigen Kampagnentyp wählen

Amazon bietet drei Kampagnentypen: Sponsored Products, Sponsored Brands und Sponsored Display. Für deine erste Kampagne empfehle ich Sponsored Products. Dieser Kampagnentyp ist am einfachsten einzurichten, liefert die direktesten Ergebnisse und erfordert keine Markenregistrierung.

Kampagnentyp Am besten für Für Einsteiger?
Sponsored Products Direkte Produktverkäufe, Keyword-Targeting Ja, ideal zum Starten
Sponsored Brands Markenbekanntheit, Brand Registry erforderlich Erst im zweiten Schritt
Sponsored Display Retargeting, Zielgruppen-Targeting Für Fortgeschrittene

Schritt 1: Kampagne in Seller Central anlegen

Öffne Seller Central und navigiere zu "Werbung" > "Kampagnenmanager". Klicke auf "Kampagne erstellen" und wähle "Sponsored Products".

Jetzt konfigurierst du die Grundeinstellungen:

  1. Kampagnenname: Wähle einen aussagekräftigen Namen, der dir später hilft, die Kampagne schnell zu identifizieren. Ein bewährtes Schema: [Produktname] - [Targeting-Typ] - [Match Type]. Beispiel: "Yogamatte Premium - Manual - Exact".
  2. Startdatum: Sofort oder zu einem bestimmten Termin. Wenn du die Kampagne noch einrichten möchtest, ohne sie sofort live zu schalten, kannst du das Startdatum in die Zukunft legen.
  3. Enddatum: Lass das Enddatum offen (kein Enddatum). Du möchtest die Kampagne laufen lassen, bis du sie manuell pausierst. Feste Enddaten führen dazu, dass Kampagnen unbemerkt auslaufen.

Schritt 2: Budget festlegen

Das Tagesbudget bestimmt, wie viel Amazon maximal pro Tag für diese Kampagne ausgeben darf. Setze es für den Anfang nicht zu niedrig, damit die Kampagne genug Daten sammeln kann.

Empfohlenes Startbudget

  • Produkte unter 20 Euro: 10 bis 15 Euro Tagesbudget
  • Produkte 20 bis 50 Euro: 15 bis 25 Euro Tagesbudget
  • Produkte über 50 Euro: 25 bis 50 Euro Tagesbudget

Diese Werte sind Richtwerte. Das Budget sollte hoch genug sein, damit die Kampagne nicht schon mittags aufgebraucht ist. Wenn das Budget frühzeitig erschöpft ist, verpasst du die wichtigen Nachmittags- und Abendstunden, in denen viele Käufe stattfinden.

Praxis-Tipp

Amazon überschreitet dein Tagesbudget im Durchschnitt nicht, darf aber an einzelnen Tagen bis zu 25 % mehr ausgeben. Im Monatsdurchschnitt bleibt es beim eingestellten Budget. Plane dein Monatsbudget also als Tagesbudget x 30,4 (durchschnittliche Tage pro Monat).

Schritt 3: Targeting einrichten

Jetzt wird es spannend: Du entscheidest, wie Amazon deine Anzeigen ausspielt. Bei Sponsored Products hast du zwei Grundoptionen.

Automatisches Targeting

Bei einer automatischen Kampagne übernimmt Amazon das Targeting. Der Algorithmus analysiert dein Listing (Titel, Bullet Points, Backend-Keywords) und zeigt deine Anzeige bei relevanten Suchanfragen an. Automatische Kampagnen haben vier Targeting-Gruppen:

  • Close Match: Suchanfragen, die eng mit deinem Produkt zusammenhängen
  • Loose Match: Suchanfragen, die weiter gefasst sind, aber noch relevant sein können
  • Substitutes: Deine Anzeige erscheint auf Detailseiten ähnlicher Produkte
  • Complements: Deine Anzeige erscheint auf Detailseiten ergänzender Produkte

Manuelles Targeting

Bei einer manuellen Kampagne wählst du selbst die Keywords oder Produkte, für die deine Anzeige erscheinen soll. Du hast die volle Kontrolle, brauchst aber Keyword-Recherche und Erfahrung.

Für Einsteiger empfehle ich folgenden Ansatz: Starte mit einer automatischen Kampagne, um Daten zu sammeln. Erstelle parallel oder nach 2 bis 3 Wochen eine manuelle Kampagne mit den besten Keywords aus dem automatischen Search Term Report.

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Schritt 4: Keywords und Gebote festlegen

Wenn du manuelles Targeting wählst, musst du jetzt Keywords hinzufügen und Gebote setzen.

Keywords auswählen

Starte mit 15 bis 25 relevanten Keywords. Überlege, welche Suchbegriffe ein Kunde eingeben würde, der genau dein Produkt sucht. Nutze dafür:

  • Die Amazon-Suchleiste (Autovervollständigung zeigt populäre Suchbegriffe)
  • Keywords aus deinem Listing (Titel, Bullet Points)
  • Die Vorschläge, die Amazon beim Erstellen der Kampagne anzeigt
  • Den Search Term Report einer vorherigen automatischen Kampagne

Match Types verstehen

Für jedes Keyword wählst du einen Match Type:

  • Broad Match: Deine Anzeige erscheint bei Suchanfragen, die dein Keyword in beliebiger Reihenfolge enthalten, inklusive Synonyme und verwandter Begriffe. Höchste Reichweite, aber weniger präzise.
  • Phrase Match: Deine Anzeige erscheint, wenn die Suchanfrage dein Keyword als zusammenhängende Phrase enthält, mit möglichen Zusätzen davor oder danach.
  • Exact Match: Deine Anzeige erscheint nur bei Suchanfragen, die exakt deinem Keyword entsprechen (plus sehr enge Varianten). Höchste Präzision, geringste Reichweite.

Gebote setzen

Das Gebot (Bid) ist der maximale Betrag, den du pro Klick zahlen möchtest. Amazon schlägt dir für jedes Keyword ein empfohlenes Gebot vor. Für den Anfang sind die Amazon-Vorschläge ein guter Ausgangspunkt.

Grundregel: Setze dein Gebot nicht unter den unteren Wert der Amazon-Empfehlung, sonst bekommt deine Kampagne kaum Impressionen. Starte im mittleren Bereich der Empfehlung und passe nach 1 bis 2 Wochen basierend auf den Ergebnissen an.

Bidding-Strategie wählen

Amazon bietet drei Bidding-Strategien:

  • Dynamic Bids - Down Only: Amazon senkt dein Gebot, wenn eine Conversion unwahrscheinlich ist. Das ist die sicherste Option für Einsteiger.
  • Dynamic Bids - Up and Down: Amazon erhöht oder senkt Gebote je nach Conversion-Wahrscheinlichkeit. Kann zu höheren Kosten führen, bringt aber mehr Impressionen.
  • Fixed Bids: Amazon verwendet immer genau dein eingestelltes Gebot. Gibt dir die meiste Kontrolle, lässt aber keine dynamische Anpassung zu.

Für deine erste Kampagne empfehle ich Dynamic Bids - Down Only. Diese Strategie schützt dein Budget, weil Amazon automatisch weniger bietet, wenn ein Klick voraussichtlich nicht zum Kauf führt.

Placement-Anpassungen

Unter "Kampagnen-Gebotsanpassung" kannst du prozentuale Aufschläge für bestimmte Placements festlegen. "Top of Search" (erste Seite, oberer Bereich) hat meist die höchste Conversion-Rate. Ein Aufschlag von 20 bis 50 % für dieses Placement kann sinnvoll sein, muss aber mit Vorsicht eingesetzt werden, weil es deine effektiven Klickkosten erhöht.

Schritt 5: Produkte hinzufügen und Kampagne starten

Wähle die Produkte aus, die du bewerben möchtest. Für den Anfang empfehle ich, pro Kampagne nur ein Produkt oder eine sehr kleine Gruppe eng verwandter Produkte zu bewerben. Das erleichtert die spätere Auswertung und Optimierung erheblich.

Ad Group erstellen

Jede Kampagne enthält mindestens eine Ad Group (Anzeigengruppe). Die Ad Group verbindet deine Produkte mit deinen Keywords und Geboten. Für den Anfang reicht eine Ad Group pro Kampagne. Gib ihr einen beschreibenden Namen, zum Beispiel "Yogamatte - Exact Keywords".

Kampagne überprüfen und starten

Bevor du auf "Kampagne starten" klickst, überprüfe alle Einstellungen:

  1. Kampagnenname ist eindeutig und beschreibend
  2. Tagesbudget ist angemessen (nicht zu niedrig)
  3. Targeting-Typ ist korrekt gewählt
  4. Keywords sind relevant (bei manuellem Targeting)
  5. Gebote liegen im empfohlenen Bereich
  6. Bidding-Strategie ist auf "Dynamic Bids - Down Only" gesetzt
  7. Kein Enddatum eingestellt (es sei denn, du willst eines)

Klicke auf "Kampagne starten". Deine Kampagne wird in der Regel innerhalb weniger Minuten aktiviert. Manchmal kann es bis zu einer Stunde dauern, bis Amazon die erste Überprüfung abgeschlossen hat.

Was du nach dem Launch prüfen solltest

Eine Kampagne zu erstellen ist der einfache Teil. Die eigentliche Arbeit beginnt danach. Hier ist, was du in den ersten Tagen und Wochen beachten solltest.

Die ersten 48 Stunden

Prüfe nach 24 bis 48 Stunden, ob deine Kampagne Impressionen bekommt. Wenn nicht, sind die Gebote wahrscheinlich zu niedrig. Erhöhe sie in Schritten von 10 bis 20 %. Beachte: Amazon zeigt Daten mit einer Verzögerung von bis zu 12 Stunden an. Triff also keine übereilten Entscheidungen am ersten Tag.

Die erste Woche

Nach einer Woche solltest du erste Klick- und Conversion-Daten haben. Achte auf:

  • Impressionen: Bekommt die Kampagne genug Sichtbarkeit? Wenn nicht, Gebote erhöhen.
  • Klickrate (CTR): Eine CTR unter 0,2 % deutet darauf hin, dass dein Listing (Hauptbild, Titel, Preis) im Vergleich zur Konkurrenz nicht überzeugend genug ist.
  • Kosten: Wird dein Tagesbudget jeden Tag aufgebraucht? Dann entweder Budget erhöhen oder ineffiziente Keywords pausieren.

Nach 2 bis 4 Wochen

Jetzt hast du genug Daten für erste echte Optimierungen:

  • Search Term Report analysieren: Welche tatsächlichen Suchbegriffe haben zu Klicks und Conversions geführt? Profitable Search Terms als Keywords in manuelle Kampagnen übernehmen.
  • Negative Keywords setzen: Suchbegriffe ohne Conversions, aber mit vielen Klicks als negative Keywords hinzufügen, um Budget zu sparen.
  • Gebote anpassen: Keywords mit gutem ACoS können höhere Gebote bekommen. Keywords mit schlechtem ACoS sollten niedrigere Gebote erhalten oder pausiert werden.
  • ACoS bewerten: Vergleiche deinen aktuellen ACoS mit deinem Break-Even ACoS. Liegt dein ACoS deutlich darüber, brauchst du Optimierung. Liegt er darunter, kannst du skalieren.
Praxis-Tipp

Verändere nie zu viele Einstellungen gleichzeitig. Wenn du Budget, Gebote und Keywords am selben Tag änderst, weisst du nicht, welche Änderung die Ergebnisse beeinflusst hat. Mache eine Anpassung, warte 5 bis 7 Tage und bewerte dann die Auswirkung, bevor du die nächste Änderung vornimmst.

Häufige Fehler beim Kampagnen-Setup

Auch erfahrene Seller machen beim Erstellen neuer Kampagnen Fehler. Hier die häufigsten, die du vermeiden solltest:

  • Zu viele Produkte in einer Kampagne: Wenn du 20 verschiedene Produkte in eine Kampagne packst, kannst du die Performance einzelner Produkte nicht sauber auswerten. Halte Kampagnen schlank.
  • Budget zu niedrig: Ein Tagesbudget von 2 Euro bringt kaum Daten und führt dazu, dass die Kampagne nur wenige Stunden am Tag aktiv ist. Investiere genug, um aussagekräftige Daten zu sammeln.
  • Kein eindeutiges Namensschema: Nach ein paar Monaten hast du dutzende Kampagnen. Ohne ein klares Namensschema verlierst du den Überblick. Definiere ein Schema und halte dich daran.
  • Listing nicht optimiert: PPC bringt Traffic, aber ein schlechtes Listing konvertiert nicht. Investiere zuerst in gute Bilder, einen überzeugenden Titel und starke Bullet Points.
  • Zu früh optimieren: Nach einem Tag hast du keine belastbaren Daten. Gib jeder Kampagne mindestens 7 bis 14 Tage, bevor du eingreifst.

Fazit: Einfach starten, dann optimieren

Eine Amazon PPC-Kampagne zu erstellen dauert keine 10 Minuten, wenn du weisst, welche Einstellungen du wählen musst. Das Wichtigste ist, überhaupt anzufangen. Perfektion ist nicht das Ziel beim ersten Setup. Du sammelst Daten, lernst, was funktioniert, und optimierst dann Schritt für Schritt.

Starte mit einer automatischen Sponsored Products Kampagne, um die wichtigsten Keywords für dein Produkt zu identifizieren. Erstelle nach 2 bis 3 Wochen eine manuelle Kampagne mit den besten Search Terms. Und vergiss nicht: Regelmässige Optimierung ist wichtiger als das perfekte Anfangs-Setup.