Amazon PPC: Der komplette Leitfaden für Einsteiger
Wer auf Amazon verkauft, kommt an bezahlter Werbung kaum noch vorbei. Doch wie funktioniert Amazon PPC genau, welche Kampagnentypen gibt es und welche Kennzahlen solltest du im Blick behalten? Dieser Leitfaden erklärt dir alles, was du für einen erfolgreichen Einstieg brauchst.
Was ist Amazon PPC?
PPC steht für Pay-per-Click. Das Prinzip ist einfach: Du schaltest eine Anzeige auf Amazon und zahlst nur dann, wenn ein Kunde tatsächlich darauf klickt. Anders als bei klassischen Werbeformaten, bei denen du für Einblendungen bezahlst, entstehen Kosten also erst, wenn jemand aktives Interesse an deinem Produkt zeigt.
Amazon bietet sein Werbesystem unter dem Namen Amazon Advertising (früher Amazon Marketing Services, kurz AMS) an. Es ermöglicht Sellern und Vendoren, ihre Produkte in den Suchergebnissen und auf Produktdetailseiten prominent zu platzieren. Die Anzeigen sind als "Gesponsert" gekennzeichnet, sehen aber fast wie organische Ergebnisse aus.
Amazon PPC ist ein Werbemodell, bei dem Seller pro Klick auf ihre Anzeige bezahlen. Die Platzierung wird durch ein Auktionssystem bestimmt, bei dem Gebot, Relevanz und voraussichtliche Klickrate eine Rolle spielen.
Für Amazon Seller ist PPC eines der wirkungsvollsten Instrumente, um Sichtbarkeit zu erzeugen, Verkäufe zu steigern und langfristig auch das organische Ranking zu verbessern. Denn mehr Verkäufe, egal ob durch Werbung oder organisch, signalisieren dem Amazon-Algorithmus, dass dein Produkt relevant ist.
Warum Amazon PPC heute unverzichtbar ist
Noch vor wenigen Jahren konnten Seller allein durch gute Listings und ein konkurrenzfähiges Produkt auf Seite 1 der Suchergebnisse landen. Diese Zeiten sind vorbei. Die Gründe dafür sind vielfältig:
- Zunehmende Konkurrenz: Millionen Seller weltweit kämpfen um die Aufmerksamkeit der Käufer. In fast jeder Nische gibt es inzwischen Dutzende vergleichbare Produkte.
- Werbeplätze dominieren die Suchergebnisse: Amazon zeigt auf der ersten Seite oft vier oder mehr Sponsored-Products-Anzeigen, bevor die organischen Ergebnisse beginnen. Auf mobilen Geräten nimmt Werbung sogar den gesamten sichtbaren Bereich ein.
- Der Flywheel-Effekt: PPC-Verkäufe verbessern dein organisches Ranking. Ein besseres Ranking bringt mehr organische Verkäufe. Beides zusammen stärkt deine Position nachhaltig.
- Neue Produkte ohne PPC sind unsichtbar: Ohne Verkaufshistorie rankt ein neues Produkt praktisch nicht. PPC ist der schnellste Weg, erste Verkäufe zu generieren und den Algorithmus in Gang zu bringen.
Amazon PPC ist also kein optionaler Bonus mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit für jeden ernsthaften Seller.
So funktioniert das Amazon-Auktionssystem
Wenn ein Kunde auf Amazon einen Suchbegriff eingibt, startet im Hintergrund eine Auktion. Alle Seller, die auf dieses Keyword bieten, nehmen daran teil. Doch anders als bei einer klassischen Auktion gewinnt nicht automatisch das höchste Gebot.
Die drei Faktoren der Auktion
- Gebot (Bid): Der maximale Betrag, den du bereit bist, pro Klick zu zahlen. Du legst diesen Betrag entweder auf Kampagnen-, Anzeigengruppen- oder Keyword-Ebene fest.
- Relevanz: Amazon bewertet, wie gut dein Produkt zur Suchanfrage passt. Ein Listing mit dem Keyword im Titel, in den Bullet Points und im Backend wird als relevanter eingestuft als eines ohne.
- Voraussichtliche Klickrate (CTR): Amazon schätzt, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Nutzer auf deine Anzeige klickt. Produkte mit guten Bildern, vielen Bewertungen und einem attraktiven Preis schneiden hier besser ab.
Du zahlst bei Amazon PPC nicht dein volles Gebot, sondern nur 0,01 USD mehr als das zweithöchste Gebot (Second-Price Auction). Wenn du 1,50 EUR bietest und der nächste Bieter 1,00 EUR, zahlst du also nur 1,01 EUR pro Klick.
Das bedeutet: Selbst mit einem niedrigeren Gebot kannst du den Zuschlag erhalten, wenn dein Produkt relevanter ist und eine höhere Klickrate erwarten lässt. Gute Listings sind deshalb die Grundlage jeder erfolgreichen PPC-Strategie.
Die drei Kampagnentypen im Überblick
Amazon bietet drei verschiedene Werbeformate an, die jeweils unterschiedliche Ziele verfolgen und an verschiedenen Stellen ausgespielt werden.
Sponsored Products (SP)
Sponsored Products sind das wichtigste und am häufigsten genutzte Werbeformat auf Amazon. Die Anzeigen erscheinen direkt in den Suchergebnissen und auf Produktdetailseiten. Sie sehen fast identisch zu organischen Ergebnissen aus, tragen aber den Hinweis "Gesponsert".
- Ziel: Einzelne Produktverkäufe steigern
- Platzierung: Suchergebnisse (oben, mitte, unten) und Produktdetailseiten
- Voraussetzung: Aktives Seller- oder Vendor-Konto, Buy-Box-Berechtigung
- Targeting: Keywords (automatisch oder manuell) und Produkt-Targeting (ASINs oder Kategorien)
Für Einsteiger sind Sponsored Products der beste Startpunkt. Sie sind einfach einzurichten, liefern schnell messbare Ergebnisse und bieten die direkteste Verbindung zwischen Werbeausgaben und Verkäufen.
Sponsored Brands (SB)
Sponsored Brands (früher Headline Search Ads) erscheinen prominent am oberen Rand der Suchergebnisse. Sie zeigen dein Markenlogo, eine individuelle Überschrift und bis zu drei Produkte. Ein Klick kann Kunden entweder zu einer Produktseite oder zu deinem Amazon Brand Store leiten.
- Ziel: Markenbekanntheit und Brand Building
- Platzierung: Oberer Bereich der Suchergebnisse
- Voraussetzung: Anmeldung in der Amazon Brand Registry
- Formate: Product Collection, Store Spotlight, Video-Anzeigen
Sponsored Display (SD)
Sponsored Display Ads erreichen Kunden sowohl auf Amazon als auch auf externen Websites und Apps. Sie eignen sich besonders für Retargeting, also das erneute Ansprechen von Kunden, die dein Produkt bereits angesehen haben.
- Ziel: Retargeting, Reichweite ausserhalb der Suche
- Platzierung: Produktdetailseiten, Startseite, externe Websites (Amazon DSP Netzwerk)
- Voraussetzung: Brand Registry (für Seller)
- Targeting: Produktzielgruppen, Views-Remarketing, Interessensbasiert
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Kostenlos startenDie wichtigsten Amazon PPC Kennzahlen
Um deine Kampagnen sinnvoll steuern zu können, musst du die zentralen Metriken verstehen. Hier sind die Kennzahlen, die du ab dem ersten Tag im Blick behalten solltest:
Impressions (Impressionen)
Impressions zeigen, wie oft deine Anzeige eingeblendet wurde. Eine hohe Zahl bedeutet, dass dein Keyword-Targeting funktioniert und Amazon deine Anzeige ausspielt. Niedrige Impressions deuten darauf hin, dass dein Gebot zu niedrig ist, dein Tagesbudget zu früh aufgebraucht wird oder dein Targeting zu eng gesetzt ist.
Klicks
Klicks geben an, wie oft Nutzer tatsächlich auf deine Anzeige geklickt haben. Jeder Klick kostet dich Geld, bringt aber gleichzeitig einen potenziellen Käufer auf deine Produktseite. Ein Klick ohne anschliessendes Listing-Engagement kann auf Probleme mit dem Listing selbst hinweisen.
CTR (Click-Through Rate, Klickrate)
Die CTR berechnet sich als Klicks geteilt durch Impressions, multipliziert mit 100. Sie gibt an, wie attraktiv deine Anzeige für Suchende ist. Eine durchschnittliche CTR für Sponsored Products liegt bei etwa 0,3 bis 0,5 %. Werte über 0,5 % sind gut, unter 0,2 % solltest du Hauptbild, Preis oder Titel überprüfen.
CPC (Cost per Click, Kosten pro Klick)
Der CPC ist der tatsächliche Betrag, den du pro Klick bezahlst. Er liegt immer unter oder gleich deinem maximalen Gebot. Durchschnittliche CPCs auf Amazon variieren stark nach Kategorie und Wettbewerb: von 0,20 EUR in Nischen mit wenig Konkurrenz bis über 3,00 EUR in umkämpften Kategorien wie Supplements oder Elektronik.
Conversions (Bestellungen)
Conversions zeigen, wie viele Klicks tatsächlich zu einer Bestellung geführt haben. Amazon verwendet ein Attributionsfenster von 7 Tagen für Sponsored Products und 14 Tagen für Sponsored Brands. Das bedeutet: Ein Klick heute, der innerhalb von 7 Tagen zu einem Kauf führt, wird der Kampagne als Conversion zugerechnet.
ACoS (Advertising Cost of Sales)
Der ACoS ist die zentrale Kennzahl für die Profitabilität deiner PPC-Kampagnen. Die Formel lautet:
ACoS = Werbeausgaben / Werbeumsatz x 100
Ein ACoS von 25 % bedeutet, dass du 25 Cent an Werbung ausgibst, um 1 Euro Umsatz zu erzielen. Ob dieser Wert gut oder schlecht ist, hängt von deiner Marge ab. Wenn dein Gewinn vor Werbekosten 30 % beträgt, ist ein ACoS von 25 % noch profitabel, denn du behältst 5 % Gewinn. Ein ACoS von 35 % würde dagegen Verlust bedeuten.
Der Break-Even ACoS ist der ACoS-Wert, bei dem du weder Gewinn noch Verlust machst. Er entspricht deiner Gewinnmarge vor Werbekosten. Liegt dein tatsächlicher ACoS darunter, bist du profitabel. Liegt er darüber, verlierst du Geld mit jeder Bestellung.
ROAS (Return on Ad Spend)
Der ROAS ist das Gegenstück zum ACoS und berechnet sich als Werbeumsatz geteilt durch Werbeausgaben. Ein ROAS von 4 bedeutet: Für jeden investierten Euro erhältst du 4 Euro Umsatz zurück. Je höher der ROAS, desto effizienter ist deine Kampagne. Die Umrechnung ist einfach: ROAS = 100 / ACoS. Ein ACoS von 25 % entspricht also einem ROAS von 4.
Automatische vs. manuelle Kampagnen
Bei der Erstellung einer Sponsored-Products-Kampagne wählst du zwischen zwei Targeting-Modi:
Automatische Kampagnen
Amazon entscheidet selbst, bei welchen Suchbegriffen und auf welchen Produktseiten deine Anzeige erscheint. Der Algorithmus analysiert dein Listing (Titel, Bullet Points, Backend-Keywords, Kategorie) und ordnet dein Produkt passenden Suchanfragen zu.
Automatische Kampagnen sind ideal für:
- Den Einstieg, wenn du noch nicht weisst, welche Keywords funktionieren
- Keyword-Research: Du entdeckst Suchbegriffe, an die du selbst nicht gedacht hast
- Ergänzung zu manuellen Kampagnen, um neue Keyword-Ideen zu finden
Manuelle Kampagnen
Du bestimmst selbst, auf welche Keywords oder Produkte (ASINs) du bieten möchtest. Das gibt dir volle Kontrolle über dein Targeting und ermöglicht gezieltes Gebotsmanagement auf Keyword-Ebene.
Manuelle Kampagnen sind ideal für:
- Gezielte Aussteuerung auf profitable Keywords
- Individuelle Gebotssteuerung pro Keyword
- Wettbewerber-Targeting (Anzeigen auf Konkurrenz-ASINs)
Die beste Strategie kombiniert beide Ansätze. Starte mit einer automatischen Kampagne, um relevante Suchbegriffe zu identifizieren. Übertrage die besten Keywords dann in eine manuelle Kampagne mit individuellen Geboten. So nutzt du die Stärken beider Formate.
Deine ersten Schritte mit Amazon PPC
Du möchtest loslegen? Dann befolge diese Reihenfolge, um von Anfang an eine solide Grundlage zu schaffen:
1. Listing optimieren
Bevor du einen Cent in Werbung investierst, muss dein Listing überzeugen. Ein gutes Hauptbild, ein keywordreicher Titel, informative Bullet Points und hochwertige Produktbilder sind die Voraussetzung dafür, dass aus Klicks auch Käufe werden. Schwache Listings verbrennen Werbebudget, weil Besucher abspringen, ohne zu kaufen.
2. Ziel-ACoS berechnen
Kalkuliere, wie viel du dir an Werbekosten leisten kannst. Dafür brauchst du deine Gewinnmarge vor Werbekosten. Verkaufst du ein Produkt für 25 EUR mit einer Marge von 30 % (7,50 EUR Gewinn), dann ist dein Break-Even ACoS 30 %. Idealerweise peilst du einen ACoS unter diesem Wert an.
3. Erste Kampagne starten
Erstelle eine automatische Sponsored-Products-Kampagne mit einem Tagesbudget von 15 bis 25 EUR. Wähle ein moderates Startgebot (z.B. 0,50 bis 0,80 EUR) und lasse die Kampagne mindestens 7 bis 14 Tage laufen, bevor du erste Optimierungen vornimmst. Amazon braucht diese Zeit, um Daten zu sammeln.
4. Daten analysieren
Nach zwei Wochen hast du genug Daten, um erste Erkenntnisse zu gewinnen. Schau dir an, welche Suchbegriffe Impressionen, Klicks und Conversions generieren. Identifiziere Keywords, die Kosten verursachen, aber keine Verkäufe bringen.
5. Manuelle Kampagne aufbauen
Übertrage die profitabelsten Suchbegriffe aus der automatischen Kampagne in eine manuelle Kampagne. Setze individuelle Gebote basierend auf der Performance. Füge irrelevante Suchbegriffe als negative Keywords hinzu, um Streuverluste zu minimieren.
6. Kontinuierlich optimieren
PPC ist kein Projekt, das man einmal einrichtet und dann vergisst. Regelmässige Optimierung ist entscheidend: Gebote anpassen, neue Keywords hinzufügen, schlechte Keywords pausieren, Budgets verschieben. Ein wöchentlicher Optimierungsrhythmus ist ein guter Startpunkt.
Häufige Fehler bei PPC-Einsteigern
Gerade am Anfang passieren immer wieder die gleichen Fehler. Wenn du diese vermeidest, bist du vielen Mitbewerbern bereits einen Schritt voraus:
- Kampagne starten und vergessen: Amazon PPC erfordert regelmässige Aufmerksamkeit. Wer seine Kampagnen nicht optimiert, zahlt fast immer zu viel.
- Kein Negative-Keyword-Management: Ohne negative Keywords zahlst du für irrelevante Suchanfragen. Ein Verkäufer von Leder-Geldbörsen möchte nicht bei "Geldbörse Kinder" erscheinen.
- Zu viele Keywords in einer Anzeigengruppe: Wenn 200 Keywords um dasselbe Budget konkurrieren, bekommt keines genug Daten. Halte deine Anzeigengruppen fokussiert (10 bis 20 Keywords).
- Zu früh optimieren: Wer nach zwei Tagen schon Gebote verändert, arbeitet mit zu wenig Daten. Gib deinen Kampagnen mindestens eine Woche Zeit.
- Nur auf den ACoS schauen: Der ACoS allein ist nicht aussagekräftig genug. Betrachte immer auch den Gesamtumsatz, die Conversion Rate und den TACoS (Total ACoS), der auch die organischen Verkäufe einbezieht.
- Schlechtes Listing bewerben: Das beste PPC-Setup bringt wenig, wenn das Listing die Besucher nicht überzeugt. Optimiere immer erst das Listing, bevor du Werbebudget investierst.
Fazit: PPC als Wachstumsmotor nutzen
Amazon PPC ist das effektivste Werkzeug, um auf dem Marktplatz sichtbar zu werden und Verkäufe zu steigern. Die Grundlagen sind überschaubar: Du verstehst das Auktionssystem, kennst die drei Kampagnentypen und weisst, welche Kennzahlen wichtig sind.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der konsequenten Umsetzung. Starte mit einer automatischen Kampagne, sammle Daten, baue manuelle Kampagnen auf und optimiere regelmässig. Mit der Zeit entwickelst du ein Gespür dafür, welche Keywords profitabel sind und wie du dein Budget optimal einsetzt.
Wenn du den manuellen Aufwand reduzieren möchtest, kann ein PPC-Tool wie Sellantica die Kampagnenverwaltung, das Keyword Harvesting und die Gebotsoptimierung für dich übernehmen. So bleibt dir mehr Zeit für Produktentwicklung und strategische Entscheidungen.
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