Warum Keyword-Recherche auf Amazon anders funktioniert

Keyword-Recherche auf Amazon unterscheidet sich grundlegend von der Recherche für Google oder andere Suchmaschinen. Der Hauptgrund: Amazon ist eine Kaufplattform, keine Informationsplattform. Wer auf Amazon sucht, hat in der Regel bereits eine Kaufabsicht. Die Suchanfragen sind daher produktbezogener und konkreter als bei Google.

Einige wichtige Unterschiede:

  • Kaufintention statt Informationssuche: Auf Google suchen Menschen nach "Was ist eine French Press?". Auf Amazon suchen sie nach "French Press Kaffeebereiter Edelstahl 1 Liter". Die Keywords auf Amazon sind transaktional.
  • Amazons Suchmaschine (A9/A10): Amazons Algorithmus priorisiert Produkte, die verkauft werden. Keywords, die zu Verkäufen führen, werden belohnt. Das bedeutet: Relevanz schlägt Volumen.
  • Keine öffentlichen Suchvolumen-Daten: Anders als bei Google gibt Amazon keine offiziellen Suchvolumina heraus. Du bist auf Drittanbieter-Tools oder eigene Daten angewiesen.
  • Dynamischer Wettbewerb: Die Gebotspreise für Keywords schwanken ständig, weil tausende Seller gleichzeitig bieten. Ein Keyword, das heute günstig ist, kann morgen teuer sein.

Diese Besonderheiten machen es umso wichtiger, die Keyword-Recherche systematisch anzugehen, statt auf Bauchgefühl zu setzen.

Seed Keywords: Der Ausgangspunkt

Jede Keyword-Recherche beginnt mit Seed Keywords. Das sind die offensichtlichen, grundlegenden Begriffe, mit denen Kunden nach deinem Produkt suchen würden. Du brauchst kein Tool, um sie zu finden. Sie ergeben sich aus dem gesunden Menschenverstand und deiner Produktkenntnis.

So findest du deine Seed Keywords

  1. Beschreibe dein Produkt in einem Satz: Was ist es? Wofür wird es benutzt? Aus welchem Material ist es? Beispiel: "Isolierte Edelstahl-Trinkflasche, 750 ml, BPA-frei, für Sport und Outdoor."
  2. Extrahiere die Kernbegriffe: Trinkflasche, Edelstahl Trinkflasche, Isolierflasche, Sportflasche, Thermosflasche, Wasserflasche.
  3. Denke in Synonymen: Wie könnte jemand dasselbe Produkt anders benennen? "Thermoskanne" statt "Isolierflasche", "Flasche Sport" statt "Sportflasche".
  4. Berücksichtige Eigenschaften: Material (Edelstahl, BPA-frei), Grössse (750 ml), Zielgruppe (Kinder, Sport), Farbe, besondere Features (auslaufsicher, spülmaschinenfest).

Das Ergebnis sollte eine Liste von 10 bis 20 Seed Keywords sein. Diese bilden die Basis, von der aus du in die Tiefe recherchierst.

Tipp

Schau dir die Listings deiner Top-5-Wettbewerber an. Welche Begriffe verwenden sie in Titel, Bullet Points und Backend-Keywords? Wettbewerber-Listings sind eine ergiebige Quelle für Seed Keywords, die du möglicherweise übersehen hast.

Amazon Autocomplete als Keyword-Quelle

Amazon Autocomplete (die automatische Vervollständigung in der Suchleiste) ist eine der wertvollsten Quellen für Keyword-Ideen. Warum? Weil Amazon nur Vorschläge anzeigt, die tatsächlich von Kunden gesucht werden. Jeder Autocomplete-Vorschlag basiert auf realem Suchverhalten.

So nutzt du Autocomplete systematisch

  1. Gib dein Seed Keyword in die Amazon-Suchleiste ein, z. B. "Edelstahl Trinkflasche".
  2. Notiere alle Vorschläge, die Amazon anzeigt (typischerweise 8 bis 10 Stück).
  3. Ergänze dein Seed Keyword mit einem Buchstaben: "Edelstahl Trinkflasche a", "Edelstahl Trinkflasche b", usw. So deckst du Long-Tail-Varianten auf.
  4. Wiederhole den Prozess für jedes deiner Seed Keywords.

Aus dieser Methode gewinnst du schnell 50 bis 100 zusätzliche Keyword-Ideen. Viele davon sind Long-Tail-Keywords mit geringerem Wettbewerb, die besonders für Exact-Match-Kampagnen geeignet sind.

Zeitspar-Tipp

Die manuelle Eingabe aller Buchstabenkombinationen ist zeitaufwendig. Tools wie Sellantica oder kostenlose Chrome-Erweiterungen können den Autocomplete-Prozess automatisieren und dir die Ergebnisse in einer übersichtlichen Liste liefern.

Wettbewerber-Analyse: Keywords der Konkurrenz aufdecken

Deine Wettbewerber haben bereits Keyword-Recherche betrieben und investieren Geld in die Keywords, die für sie funktionieren. Diese Arbeit kannst du dir zunutze machen.

Methode 1: Listing-Analyse

Öffne die Listings deiner stärksten Wettbewerber und analysiere:

  • Titel: Welche Keywords stehen im Titel? Der Titel ist der SEO-stärkste Bereich eines Listings.
  • Bullet Points: Welche Begriffe werden hier zusätzlich verwendet?
  • Produktbeschreibung und A+ Content: Welche Formulierungen und Begriffe tauchen hier auf?

Notiere alle Keywords, die du in deiner eigenen Liste noch nicht hast.

Methode 2: Reverse ASIN Lookup

Spezialisierte Tools bieten eine Reverse-ASIN-Suche an. Du gibst die ASIN eines Konkurrenzprodukts ein und bekommst eine Liste der Keywords, für die dieses Produkt rankt oder Werbung schaltet. Diese Methode ist besonders effektiv, weil du nicht nur die sichtbaren Keywords aus dem Listing bekommst, sondern auch Backend-Keywords und PPC-Keywords entdecken kannst.

Methode 3: Suchergebnisse analysieren

Suche nach deinen Haupt-Keywords auf Amazon und analysiere die Ergebnisse auf Seite 1. Welche Produkte erscheinen? Welche Keywords nutzen sie? Gibt es Sponsored-Products-Anzeigen? Die Produkte, die organisch und per Anzeige auf Seite 1 erscheinen, haben in der Regel eine gut durchdachte Keyword-Strategie.

Search Term Reports: Daten aus eigenen Kampagnen

Wenn du bereits Amazon PPC Kampagnen laufen hast (insbesondere automatische Kampagnen), ist der Search Term Report deine wertvollste Datenquelle. Er zeigt dir die tatsächlichen Suchbegriffe, die zu Klicks und Verkäufen geführt haben.

So nutzt du den Search Term Report für die Keyword-Recherche

  1. Starte eine automatische Kampagne mit einem moderaten Budget (10 bis 20 Euro pro Tag) und einem mittleren Gebot.
  2. Lass die Kampagne mindestens 2 bis 4 Wochen laufen, damit genügend Daten entstehen.
  3. Lade den Search Term Report herunter und analysiere die Suchbegriffe.
  4. Identifiziere Top-Performer: Suchbegriffe mit guter Conversion-Rate und akzeptablem ACoS. Diese überführst du in manuelle Kampagnen (als Exact oder Phrase Match).
  5. Identifiziere Budget-Fresser: Suchbegriffe mit vielen Klicks, aber keinen Verkäufen. Diese negierst du in der automatischen Kampagne.
Keyword Harvesting

Der Prozess, bei dem du profitable Suchbegriffe aus automatischen Kampagnen in manuelle Kampagnen überführst, wird als Keyword Harvesting bezeichnet. Es ist einer der effektivsten Wege, neue Keywords zu entdecken, weil die Daten direkt aus dem Kaufverhalten deiner Zielgruppe stammen. Sellantica automatisiert diesen Prozess vollständig.

Keyword Harvesting automatisiert

Sellantica erkennt profitable Suchbegriffe in deinen automatischen Kampagnen und überführt sie automatisch in optimierte manuelle Kampagnen.

Kostenlos testen

Suchvolumen vs. Relevanz: Die richtige Balance finden

Ein häufiger Fehler bei der Keyword-Recherche ist die Fixierung auf das Suchvolumen. Es scheint logisch: Je mehr Menschen nach einem Keyword suchen, desto besser. Aber auf Amazon ist Relevanz wichtiger als Volumen.

Warum hohes Suchvolumen nicht immer besser ist

  • Höherer Wettbewerb: Keywords mit hohem Suchvolumen sind umkämpft. Die Klickpreise sind höher, und es ist schwieriger, auf Seite 1 zu erscheinen.
  • Niedrigere Conversion-Rate: Generische Keywords wie "Trinkflasche" ziehen ein breites Publikum an. Viele dieser Suchenden haben andere Vorstellungen als das, was dein Produkt bietet.
  • Höherer ACoS: Die Kombination aus hohen Klickpreisen und niedrigerer Conversion-Rate führt zu einem höheren ACoS.

Warum Relevanz den Unterschied macht

Ein Keyword wie "Edelstahl Trinkflasche 750ml spülmaschinenfest" hat vielleicht nur ein Zehntel des Suchvolumens von "Trinkflasche". Aber die Person, die diesen Begriff eingibt, weiss genau, was sie will. Wenn dein Produkt diese Kriterien erfüllt, ist die Wahrscheinlichkeit eines Kaufs deutlich höher.

Die Faustregel: Beginne mit relevanten, spezifischen Keywords (Long-Tail). Sobald diese profitabel laufen und du organisches Ranking aufbaust, kannst du schrittweise auf breitere Keywords mit höherem Volumen expandieren.

Long-Tail-Keywords: Das versteckte Potenzial

Long-Tail-Keywords bestehen aus drei oder mehr Wörtern und beschreiben ein Produkt sehr spezifisch. Sie haben einzeln betrachtet weniger Suchvolumen, machen aber in Summe einen erheblichen Teil aller Amazon-Suchen aus.

Vorteile von Long-Tail-Keywords

  • Niedrigere Klickpreise: Weniger Wettbewerber bieten auf spezifische Suchanfragen.
  • Höhere Conversion-Rate: Die Suchintention ist klarer. Wer nach "Yogamatte Naturkautschuk rutschfest 183 cm" sucht, weiss genau, was er will.
  • Besserer ACoS: Die Kombination aus niedrigeren Kosten und höherer Conversion-Rate führt zu effizienteren Kampagnen.
  • Schnelleres Ranking: Es ist einfacher, für ein Long-Tail-Keyword auf Seite 1 zu gelangen als für einen generischen Oberbegriff.

Beispiele für die Abstufung

Keyword-Typ Beispiel Suchvolumen Wettbewerb Conversion-Rate
Head Trinkflasche Sehr hoch Sehr hoch Niedrig
Mid-Tail Edelstahl Trinkflasche Hoch Hoch Mittel
Long-Tail Edelstahl Trinkflasche 750ml BPA frei Niedrig Niedrig Hoch

Die besten PPC-Konten nutzen einen Mix aus allen drei Ebenen. Long-Tail-Keywords liefern die Effizienz, Mid-Tail-Keywords das Volumen und Head-Keywords die Reichweite.

Keywords nach Suchintention organisieren

Nicht jede Suchanfrage hat die gleiche Intention. Wenn du deine Keywords nach Intention gruppierst, kannst du Kampagnen, Gebote und Listings gezielter darauf abstimmen.

Vier Typen von Suchintention auf Amazon

  • Produktsuche (generisch): Der Kunde sucht eine Produktkategorie, hat sich aber noch nicht entschieden. Beispiel: "Trinkflasche Sport". Diese Keywords haben hohes Volumen, aber moderate Conversion-Rates.
  • Eigenschaftsbezogene Suche: Der Kunde kennt die gewünschten Eigenschaften. Beispiel: "Trinkflasche Edelstahl isoliert 1 Liter". Höhere Kaufabsicht, weil die Anforderungen klar definiert sind.
  • Markensuche: Der Kunde sucht nach einer bestimmten Marke. Beispiel: "Hydroflask Trinkflasche". Höchste Kaufabsicht, aber nur relevant, wenn es deine Marke ist oder du gezielt Brand-Switching betreiben willst.
  • Problemlösungssuche: Der Kunde beschreibt ein Problem oder Bedürfnis. Beispiel: "Trinkflasche kein Plastikgeschmack" oder "Flasche die kalt hält". Diese Keywords verraten, was dem Kunden wirklich wichtig ist.
Strategische Nutzung

Erstelle für jede Intentionsgruppe separate Ad Groups oder Kampagnen. So kannst du Gebote pro Gruppe steuern. Bei eigenschaftsbezogenen und Problemlösungs-Keywords lohnen sich oft höhere Gebote, weil die Conversion-Rate überdurchschnittlich ist.

Eine Keyword-Strategie aufbauen

Keyword-Recherche liefert Rohdaten. Eine Keyword-Strategie macht daraus einen Plan. So baust du deine Strategie auf:

Schritt 1: Keywords sammeln und konsolidieren

Sammle alle Keywords aus den beschriebenen Quellen (Seed Keywords, Autocomplete, Wettbewerber, Search Term Reports) in einer zentralen Tabelle. Entferne Duplikate und offensichtlich irrelevante Begriffe.

Schritt 2: Keywords bewerten

Bewerte jedes Keyword anhand folgender Kriterien:

  • Relevanz: Wie gut passt das Keyword zu deinem Produkt? (Skala: hoch, mittel, niedrig)
  • Geschätztes Suchvolumen: Nutze Drittanbieter-Tools oder Amazons eigene Vorschläge als Indikator.
  • Wettbewerb: Wie viele Sponsored-Products-Anzeigen erscheinen bei diesem Keyword? Wie hoch ist das empfohlene Gebot?
  • Conversion-Potenzial: Wie spezifisch ist die Suchintention? Je spezifischer, desto höher das Potenzial.

Schritt 3: Keywords gruppieren

Ordne deine Keywords in logische Gruppen. Jede Gruppe wird zu einer eigenen Ad Group oder Kampagne. Typische Gruppierungen:

  • Nach Produkteigenschaft (Material, Grössse, Farbe)
  • Nach Zielgruppe (Kinder, Sport, Büro)
  • Nach Suchintention (generisch, eigenschaftsbezogen, Marke)
  • Nach Match Type (Broad-Entdeckung, Phrase-Volumen, Exact-Effizienz)

Schritt 4: Priorisieren und starten

Starte nicht mit allen Keywords gleichzeitig. Priorisiere:

  1. Priorität 1: Hoch relevante Keywords mit mittlerem Wettbewerb. Diese bieten das beste Verhältnis von Aufwand und Ertrag.
  2. Priorität 2: Long-Tail-Keywords mit klarer Kaufintention. Niedrige Kosten, gute Conversion.
  3. Priorität 3: Head-Keywords mit hohem Volumen. Teste sie mit niedrigeren Geboten und erhöhe schrittweise, wenn sie konvertieren.

Keyword-Recherche als fortlaufender Prozess

Die Keyword-Recherche ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Kreislauf. Der Amazon-Marktplatz verändert sich ständig: Neue Wettbewerber kommen, Suchtrends wandeln sich, und saisonale Einflüsse verschieben die Nachfrage.

Wöchentlich

  • Search Term Reports deiner automatischen Kampagnen prüfen.
  • Neue Top-Performer in manuelle Kampagnen überführen.
  • Budget-Fresser als Negative Keywords ausschliessen.

Monatlich

  • Autocomplete-Recherche für deine wichtigsten Seed Keywords wiederholen. Neue Vorschläge deuten auf veränderte Suchtrends hin.
  • Wettbewerber-Listings erneut analysieren. Haben sie Keywords ergänzt?
  • Performance-Analyse deiner Keyword-Gruppen: Welche Gruppen laufen profitabel? Wo muss nachgesteuert werden?

Quartalsweise

  • Gesamte Keyword-Strategie überprüfen. Stimmen deine Prioritäten noch?
  • Saisonale Keywords ergänzen oder entfernen.
  • Neue Produktfeatures oder Varianten in die Keyword-Strategie aufnehmen.

Fazit: Systematik schlägt Bauchgefühl

Die Keyword-Recherche entscheidet massgeblich darüber, ob deine Amazon PPC Kampagnen profitabel laufen oder Geld verbrennen. Wer sich die Zeit nimmt, systematisch zu recherchieren, Keywords zu bewerten und eine durchdachte Strategie aufzubauen, hat einen klaren Vorteil gegenüber Wettbewerbern, die auf Vermutungen setzen.

Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Starte mit Seed Keywords und erweitere über Autocomplete, Wettbewerber-Analyse und Search Term Reports.
  • Bevorzuge Relevanz gegenüber Suchvolumen. Ein hoch relevantes Long-Tail-Keyword schlägt ein generisches Head-Keyword in der Effizienz fast immer.
  • Organisiere deine Keywords nach Suchintention und gruppiere sie in logische Einheiten.
  • Betrachte die Keyword-Recherche als fortlaufenden Prozess, nicht als einmaliges Projekt.

Wenn du diese Prinzipien konsequent befolgst, baust du dir über Zeit ein Keyword-Set auf, das deine Kampagnen effizient und profitabel macht.