Der Stand von Amazon Advertising 2026

Amazon ist mit einem Werbeumsatz von über 60 Milliarden US-Dollar pro Jahr die drittgrösste Werbeplattform weltweit, hinter Google und Meta. Für Seller bedeutet das: Die Plattform wird professioneller, der Wettbewerb härter und die Kosten höher.

Die durchschnittlichen CPCs (Cost per Click) sind in den letzten drei Jahren um rund 30-40% gestiegen. In wettbewerbsintensiven Kategorien wie Supplements, Elektronik oder Haushalt liegen die CPCs für Hauptkeywords mittlerweile bei 1,50 bis 3,00 Euro. Für kleinere Seller wird es zunehmend schwieriger, rein über Sponsored Products profitabel zu wachsen.

Gleichzeitig hat Amazon das Werbe-Ökosystem massiv ausgebaut. Sponsored Brands Video, Sponsored Display mit Audience-Targeting, Amazon DSP (Demand-Side Platform) und die Amazon Marketing Cloud bieten neue Möglichkeiten, Kunden über den gesamten Kaufprozess hinweg zu erreichen. Wer diese Formate ignoriert und nur auf Sponsored Products setzt, lässt Potenzial liegen.

Definition

Die Amazon Marketing Cloud (AMC) ist ein cloudbasiertes Analysetool, das Seller und Agenturen nutzen können, um kanalübergreifende Werbeeinblicke zu gewinnen. AMC kombiniert Daten aus verschiedenen Amazon-Werbeformaten und ermöglicht benutzerdefinierte Analysen zum Kundenverhalten.

Steigende CPCs: Warum und was du dagegen tun kannst

Die CPC-Steigerungen haben mehrere Ursachen. Erstens drängen immer mehr Seller auf die Plattform, darunter grosse Marken mit erheblichen Werbebudgets. Zweitens hat Amazon die Anzahl der Werbeplätze in den Suchergebnissen erhöht, was die Klickpreise paradoxerweise nach oben treibt, weil mehr Wettbewerber um mehr Plätze bieten. Drittens wird Amazon Advertising für Aggregatoren und grosse Portfolios zunehmend zum Standard, was das Preisniveau hebt.

Die Antwort auf steigende CPCs ist nicht, einfach mehr Budget bereitzustellen. Stattdessen musst du an drei Hebeln arbeiten:

Hebel 1: Conversion Rate verbessern

Ein höherer CPC ist tragbar, wenn mehr Klicks zu Käufen werden. Die Conversion Rate ist der stärkste Hebel gegen steigende CPCs. Investiere in bessere Produktbilder, A+ Content, optimierte Titel und Bullet Points, competitive Pricing und mehr Bewertungen. Jeder Prozentpunkt mehr Conversion Rate erlaubt dir, höhere CPCs profitabel zu bezahlen.

Hebel 2: Long-Tail-Keywords nutzen

Die teuersten Keywords sind die kurzen, generischen Hauptkeywords ("laufschuhe herren"). Long-Tail-Keywords ("laufschuhe herren wasserdicht trail") haben niedrigere CPCs, höhere Conversion Rates und weniger Wettbewerb. Eine Strategie, die systematisch Long-Tail-Keywords identifiziert und bespielt, senkt den Gesamt-ACoS spürbar.

Hebel 3: Werbeformate diversifizieren

Sponsored Products allein wird immer teurer. Sponsored Brands Video und Sponsored Display bieten oft günstigere CPCs bei vergleichbarer oder besserer Performance. Diversifiziere dein Werbeportfolio, anstatt alles auf einen Kanal zu setzen.

Praxis-Tipp

Analysiere deine Top-20 Keywords nach CPC-Trend. Wenn der CPC eines Keywords in den letzten 3 Monaten um mehr als 25% gestiegen ist, prüfe, ob die Conversion Rate das noch rechtfertigt. Falls nicht, verlagere Budget auf Long-Tail-Varianten desselben Keywords.

KI-gestütztes Bidding: Der neue Standard

Manuelles Bid-Management erreicht bei wachsenden Portfolios schnell seine Grenzen. Wer 100 oder mehr Kampagnen mit jeweils dutzenden Keywords betreibt, kann unmöglich jedes Gebot wöchentlich manuell optimieren. KI-gestütztes Bidding ist deshalb kein Luxus mehr, sondern eine Notwendigkeit.

KI-basierte Systeme gehen über einfache Wenn-Dann-Regeln hinaus. Sie analysieren historische Performance-Daten, erkennen Muster in Tageszeiten, Wochentagen und saisonalen Trends und passen Gebote vorausschauend an. Der Vorteil gegenüber manueller Optimierung: Geschwindigkeit und Skalierbarkeit. Ein Algorithmus kann 10.000 Gebotsentscheidungen in Minuten treffen, wofür ein Mensch Wochen bräuchte.

Amazons eigenes "Dynamic Bids: Up and Down" ist eine einfache Form des algorithmischen Biddings. Externe Tools wie Sellantica gehen weiter und berücksichtigen zusätzliche Faktoren wie Lagerbestände, Margen, Tagesbudgets und Keyword-Cluster. Der Schlüssel liegt darin, dem Algorithmus klare Zielwerte vorzugeben (Ziel-ACoS, maximaler CPC) und ihm genügend Daten zu liefern.

Eine wichtige Erkenntnis für 2026: KI-Bidding funktioniert am besten in Kombination mit menschlicher Strategie. Der Algorithmus optimiert die Gebote, aber die strategischen Entscheidungen (welche Produkte bewerben, welche Keywords priorisieren, wann skalieren) triffst du selbst.

Video Ads: Das unterschätzte Format

Sponsored Brands Video ist eines der wirkungsvollsten Formate auf Amazon und wird von vielen Sellern immer noch unterschätzt. Video Ads erscheinen inline in den Suchergebnissen und fallen optisch deutlich auf, weil sie sich von den statischen Produktbildern abheben. Die Klickrate liegt oft 2-3x höher als bei klassischen Sponsored Products.

Was Video Ads besonders wertvoll macht: Sie ermöglichen es, ein Produkt in Aktion zu zeigen, USPs visuell zu demonstrieren und emotionale Verbindungen aufzubauen. Das ist besonders relevant in Kategorien, in denen Produkte erklärungsbedürftig sind oder sich visuell differenzieren lassen.

Best Practices für Amazon Video Ads 2026

  • Länge: 15-30 Sekunden. Die ersten 3 Sekunden entscheiden, ob der Kunde weiterschaut.
  • Format: Quadratisch oder vertikal (1:1 oder 9:16) für mobile Nutzer, die mittlerweile über 70% des Amazon-Traffics ausmachen.
  • Inhalt: Produkt sofort zeigen, keine langen Intros. Problem und Lösung darstellen. Text-Overlays für Nutzer ohne Ton verwenden.
  • CTA: Am Ende eine klare Handlungsaufforderung. Amazon platziert automatisch einen "Jetzt kaufen"-Button unter dem Video.
  • Qualität: Professionelle Produktion ist ideal, aber auch gut gemachte Smartphone-Videos können funktionieren. Authentizität schlägt Hochglanz.

Die CPCs für Video Ads liegen oft 20-40% unter denen von Sponsored Products für dieselben Keywords. Der Grund: Weniger Wettbewerber nutzen das Format, weil die Erstellung von Videos aufwändiger ist als das Einbuchen von Keywords. Genau darin liegt die Chance für Seller, die bereit sind, in Video-Content zu investieren.

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Full-Funnel-Strategie: Vom Erstkontakt zum Stammkunden

Die grösste strategische Verschiebung in Amazon PPC der letzten Jahre ist der Übergang von reiner Performance-Werbung (Klick = Kauf) zu einem Full-Funnel-Ansatz. Der Funnel hat drei Stufen:

Stufe 1: Awareness (Oberer Funnel)

Ziel: Kunden, die dein Produkt oder deine Marke noch nicht kennen, auf dich aufmerksam machen. Formate: Sponsored Brands (insbesondere Video), Sponsored Display mit Audience-Targeting auf verwandte Interessen. KPIs: Impressionen, Click-Through-Rate, neue Kunden (New-to-Brand-Metrik).

In dieser Stufe wirst du keinen niedrigen ACoS sehen. Das ist normal und gewollt. Du investierst in Reichweite und Bekanntheit. Der ROI kommt in den unteren Funnel-Stufen.

Stufe 2: Consideration (Mittlerer Funnel)

Ziel: Kunden, die nach Produkten in deiner Kategorie suchen, von deinem Angebot überzeugen. Formate: Sponsored Products auf relevante Kategorie-Keywords, Sponsored Brands mit Store-Spotlight, Sponsored Display Retargeting auf Kunden, die dein Produkt angesehen aber nicht gekauft haben. KPIs: Klickrate, Detail-Page-Views, Add-to-Cart-Rate.

Stufe 3: Conversion (Unterer Funnel)

Ziel: Kaufbereite Kunden zum Abschluss bringen. Formate: Sponsored Products auf Exact Match Top-Keywords, Brand-Keywords, Sponsored Display Retargeting auf Warenkorbabbrecher. KPIs: Conversion Rate, ACoS, ROAS.

Der Full-Funnel-Ansatz erfordert ein Umdenken beim Reporting. Statt jede Kampagne einzeln nach ACoS zu bewerten, betrachtest du das Gesamtbild: Wie viel gebe ich insgesamt für Werbung aus, und wie entwickeln sich Gesamtumsatz und Marktanteil? Die Awareness-Kampagne mit 60% ACoS kann sinnvoll sein, wenn sie zu mehr organischen Sales und einem höheren Marktanteil führt.

Definition

TACoS (Total Advertising Cost of Sales) misst den Anteil der Werbekosten am Gesamtumsatz (organisch + bezahlt). Ein sinkender TACoS bei steigendem Gesamtumsatz zeigt, dass deine Werbung organisches Wachstum antreibt. TACoS = Werbekosten / Gesamtumsatz x 100.

Brand Defense: Die eigene Marke schützen

Brand-Defense-Kampagnen sind 2026 keine optionale Massnahme mehr, sondern Pflicht. Wenn du nicht auf deine eigenen Markenkeywords bietest, tun es deine Wettbewerber. Die Folge: Kunden, die gezielt nach deiner Marke suchen, sehen zuerst die Anzeige eines Konkurrenten.

Brand-Defense funktioniert so: Du erstellst eine separate Kampagne mit deinem Markennamen und wichtigen Produktnamen als Exact Match Keywords. Das Gebot kann niedrig sein (Brand-Keywords haben typischerweise hohe Conversion Rates von 20-40%), aber du musst präsent sein.

Warum Brand Defense so profitabel ist

  • Niedrige CPCs: Da du der relevanteste Anbieter für deine eigene Marke bist, gewinnst du die Auktion oft mit dem Mindestgebot.
  • Hohe Conversion Rate: Kunden, die nach deiner Marke suchen, haben bereits eine Kaufabsicht.
  • Schutz vor Konkurrenz: Du verhinderst, dass Wettbewerber deinen Brand-Traffic abgreifen.
  • Niedrigster ACoS: Brand-Kampagnen haben in der Regel den niedrigsten ACoS im gesamten Portfolio.
Praxis-Tipp

Nutze Brand-Kampagnen auch für Cross-Selling. Wenn ein Kunde nach "Deine Marke Produkt A" sucht, zeige ihm via Sponsored Brands auch Produkt B und C. Das erhöht den Customer Lifetime Value und die Warenkorbgrösse.

Neue Produkte launchen: Die PPC-Strategie

Ein Produktlaunch ohne PPC-Strategie ist 2026 kaum noch möglich. Organische Sichtbarkeit aufzubauen dauert Wochen oder Monate. PPC liefert sofort Traffic und gibt dir die Daten, die du brauchst, um dein Listing und dein Angebot zu optimieren.

Phase 1: Erste 2 Wochen

Starte mit einer automatischen Kampagne und einer manuellen Broad-Match-Kampagne. Ziel ist die Datensammlung. Setze ein grosszügiges Tagesbudget (mindestens das Doppelte von dem, was du langfristig ausgeben möchtest) und akzeptiere einen höheren ACoS. Du brauchst Klicks, Impressionen und erste Bestellungen, um Relevanz-Signale aufzubauen.

Phase 2: Wochen 3-4

Analysiere die Suchbegriffberichte. Welche Keywords haben Bestellungen generiert? Überführe diese in Phrase Match und Exact Match Kampagnen. Setze negative Keywords für irrelevante Suchanfragen. Passe Gebote basierend auf den ersten Daten an.

Phase 3: Wochen 5-8

Optimiere und skaliere. Erhöhe Gebote für profitable Keywords. Pausiere Keywords ohne Bestellungen (nach mindestens 20-30 Klicks). Starte Sponsored Brands Video, um die CTR zu erhöhen. Beginne mit Sponsored Display Retargeting für Kunden, die dein Produkt angesehen aber nicht gekauft haben.

Phase 4: Ab Woche 9

Du bist im Regelbetrieb. Jetzt geht es um kontinuierliche Optimierung: Keyword-Migration durch die Match Types, regelmässige Gebotsanpassungen, A/B-Tests bei Creatives und die schrittweise Reduzierung des ACoS auf dein Zielniveau.

Profitable Kampagnen skalieren

Skalierung ist der heilige Gral im Amazon PPC. Mehr Umsatz bei gleichbleibendem oder sinkendem ACoS. Klingt einfach, ist aber eine der grössten Herausforderungen, weil mehr Ausgaben fast immer zu einem höheren ACoS führen.

Der Grund: Die profitabelsten Keywords sind irgendwann ausgeschöpft. Um mehr Umsatz zu generieren, musst du auf breitere, teurere Keywords ausweichen. Die Konsequenz: Der durchschnittliche ACoS steigt.

Strategien für profitable Skalierung

Strategie 1: Vertikale Skalierung. Erhöhe die Gebote für deine besten Keywords schrittweise, um mehr Impressionen und Klicks auf bereits bewährten Keywords zu gewinnen. Nutze Top-of-Search Placement-Modifier. Der ACoS bleibt stabil, weil die Keywords bereits profitabel sind.

Strategie 2: Horizontale Skalierung. Erweitere dein Keyword-Set durch systematische Long-Tail-Recherche. Analysiere Suchbegriffberichte nach neuen Begriffen mit Bestellungen. Teste verwandte Kategorien und Zielgruppen über Sponsored Display. Neue Keywords bedeuten neue Umsatzquellen.

Strategie 3: Format-Diversifizierung. Teste Formate, die du bisher nicht nutzt. Sponsored Brands Video kann für dieselben Keywords günstigere CPCs liefern. Sponsored Display Audience-Targeting erreicht Kunden, die über Keywords nicht erreichbar sind. Jedes zusätzliche Format ist ein zusätzlicher Umsatzkanal.

Praxis-Tipp

Skaliere nie alles gleichzeitig. Wähle eine Strategie, setze sie um, miss die Ergebnisse über 2-3 Wochen und entscheide dann, ob du weiterskalierst oder einen anderen Ansatz wählst. Kontrolliertes Wachstum schlägt aggressives Wachstum auf lange Sicht.

Erfolg ganzheitlich messen

Die grösste Falle in Amazon PPC ist die Fixierung auf den ACoS einzelner Kampagnen. Der ACoS ist wichtig, aber er erzählt nicht die ganze Geschichte. Für eine strategische Bewertung brauchst du zusätzliche Metriken:

TACoS (Total Advertising Cost of Sales)

TACoS setzt deine Werbekosten ins Verhältnis zum Gesamtumsatz (organisch + bezahlt). Ein sinkender TACoS bei steigendem Gesamtumsatz ist das beste Zeichen dafür, dass deine PPC-Strategie funktioniert. Es bedeutet, dass Werbung organisches Wachstum antreibt und du nicht immer abhängiger von bezahltem Traffic wirst.

New-to-Brand (NTB)

Diese Metrik zeigt dir, wie viele deiner werbebezogenen Käufe von Neukunden stammen (Kunden, die in den letzten 12 Monaten nicht bei dir gekauft haben). Ein hoher NTB-Anteil rechtfertigt einen höheren ACoS, weil du in Kundenakquise investierst.

Organischer Rank-Uplift

Verfolge, wie sich dein organisches Ranking für deine Top-Keywords entwickelt, während du PPC-Kampagnen laufen hast. Steigen die organischen Rankings, kannst du mittelfristig die PPC-Ausgaben für diese Keywords reduzieren. Fallen sie, bist du zu abhängig von bezahltem Traffic.

Advertising Profit (nicht nur ROAS)

ROAS (Return on Ad Spend) ist eine Ratio, kein absoluter Wert. Eine Kampagne mit einem ROAS von 10 und 100 Euro Umsatz ist weniger wertvoll als eine Kampagne mit einem ROAS von 4 und 10.000 Euro Umsatz. Bewerte Kampagnen immer auch nach dem absoluten Profit, den sie generieren.

Fazit: Strategie schlägt Taktik

Amazon PPC 2026 ist komplexer als je zuvor. Aber die gute Nachricht lautet: Wer strategisch denkt, hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber Sellern, die nur reagieren. Die wichtigsten Prinzipien für eine erfolgreiche PPC-Strategie 2026:

  • Diversifiziere deine Formate. Sponsored Products allein reicht nicht mehr. Video Ads und Sponsored Display bieten Chancen, die viele Wettbewerber noch nicht nutzen.
  • Denke in Funnels. Nicht jede Kampagne muss direkt profitabel sein. Awareness-Kampagnen zahlen auf den Gesamterfolg ein.
  • Automatisiere operativ, denke strategisch. KI-Bidding für die Gebotsoptimierung, menschliche Intelligenz für die strategische Ausrichtung.
  • Schütze deine Marke. Brand-Defense-Kampagnen sind die profitabelsten Kampagnen in deinem Portfolio.
  • Skaliere kontrolliert. Vertikale und horizontale Skalierung statt blindem Budget-Erhöhen.
  • Miss den Gesamterfolg. TACoS, NTB und organische Rankings geben ein vollständigeres Bild als der ACoS allein.
  • Investiere in Conversion Rate. Der nachhaltigste Hebel gegen steigende CPCs ist ein besseres Listing, das mehr Besucher in Käufer verwandelt.

Die Seller, die 2026 erfolgreich sind, werden nicht die sein, die das grösste Budget haben. Es werden die sein, die das smarteste Budget haben: gezielt eingesetzt, datengetrieben optimiert und strategisch ausgerichtet auf langfristiges Wachstum.